Mehr denn je „Technik fürs Leben“: Chancen für profitables Wachstum der Bosch-Gruppe
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Wirtschaft | 2007-07-02 12:18:47

Mehr denn je „Technik fürs Leben“: Chancen für profitables Wachstum der Bosch-Gruppe

Mehr denn je „Technik fürs Leben“: Chancen für profitables Wachstum der Bosch-Gruppe


Stuttgart (pressrelations) - Mehr denn je „Technik fürs Leben“: Chancen für profitables Wachstum der Bosch-Gruppe Franz Fehrenbach,
Vorsitzender der Geschäftsführung der Bosch-Gruppe,
anlässlich der Bilanz-Pressekonferenz am 25. April 2007 Sehr geehrte Damen und Herren, auch ich begrüße Sie herzlich zur Bilanz-Pressekonferenz 2007. Das Geschäftsjahr 2006 und mehr noch die zunehmende Verzahnung ökonomischer und ökologischer Fragen haben bestätigt, dass wir mit unserer langfristig angelegten Strategie auf dem richtigen Weg sind. Dies gilt sowohl für unsere internationale Ausrichtung als auch für unsere breite sektorale Aufstellung. Mit dieser Strategie entsprechen wir den Herausforderungen unserer Zeit: · Die ökonomische Globalisierung gewinnt mit dem hohen Wachstum in den Schwellenländern weiter an Tempo und Tiefe. · Die ökologische Globalisierung verlangt in aller Welt nach einem sparsamen Umgang mit Ressourcen. Das fordert uns in unserer Innovationskraft heraus. Wer ökologisch denkt, muss technisch handeln. Als Technologie- und Dienstleistungsunternehmen sehen wir hier mehr denn je Chancen über alle Unternehmensbereiche hinweg. Deshalb ist es umso wichtiger, dass wir bei unserer strategischen Positionierung stetig vorankommen: noch mehr Internationalität, weitere Ausbalancierung der Geschäftsfelder durch fokussierte Diversifikation sowie inhaltliche Ausrichtung auf 'Technik fürs Leben'. Bei aller längerfristigen Betrachtung behalten wir die aktuellen geschäftlichen Herausforderungen im Auge, besonders den tiefgreifenden Strukturwandel in der weltweiten Automobilindustrie. 2006 im Rückspiegel: Wachstum und Ergebnis im Ziel Zunächst also zu unseren Geschäftszahlen des zurückliegenden Jahres. 2006 haben wir uns insgesamt in einem günstigen wirtschaftlichen Umfeld bewegt. Schwächen zeigten sich allerdings in einigen Kernbranchen – besonders in Nordamerika, aber auch in Westeuropa. · Der Umsatz der Bosch-Gruppe ist 2006 um 5,4 Prozent auf 43,7 Milliarden Euro gestiegen. Damit haben wir unser Wachstumsziel erreicht. · Gelungen ist uns dies vor allem dank der breiten Aufstellung unseres Geschäfts. Dem verhaltenen Zuwachs im Automobilgeschäft stand eine kräftige Entwicklung in den anderen Sparten gegenüber. In der Kraftfahrzeugtechnik erhöhte sich der Umsatz um 3,4 Prozent auf 27,2 Milliarden Euro. Schon wesentlich deutlicher fiel das Plus in der Industrietechnik aus: um 5,1 Prozent auf 5,5 Milliarden Euro. Am stärksten legte der Unternehmensbereich Gebrauchsgüter und Gebäudetechnik zu: um nahezu 11 Prozent auf 11 Milliarden Euro. · Zugute gekommen ist uns auch die Internationalisierung unseres Geschäfts. So erzielten wir in der Region Asien/Pazifik mit 12 Prozent wiederum ein zweistelliges Umsatzplus – in Indien lag es bei 24, in China bei 30 Prozent. In Südamerika und Osteuropa legten wir ebenfalls kräftig zu. Verbessert hat sich unser Geschäft auch in Westeuropa, in Deutschland allerdings insgesamt nur leicht. Deutlich schwächer war dagegen der Geschäftsgang in Nordamerika. · In den Schwellenländern lag 2006 auch der Schwerpunkt unseres Beschäftigungsaufbaus. Weltweit nahm die Mitarbeiterzahl der Bosch-Gruppe um 10300 zu, auf rund 261300 Anfang 2007 – 150800 außerhalb und 110500 innerhalb Deutschlands. Der Aufbau fand im wesentlichen im Ausland statt. Gleichzeitig wächst in allen Hochkostenländern die Bereitschaft, mehr für die Sicherung der eigenen Wettbewerbsposition zu tun. Damit konnten wir an einer Reihe von Standorten Maßnahmen zur Personalkostensenkung vereinbaren. · Unseren Zielkorridor für die Umsatzrendite haben wir 2006 mit 7,1 Prozent knapp erreicht. Das Ergebnis vor Steuern belief sich auf rund 3,1 Milliarden Euro, nach 3,2 Milliarden Euro im Jahr zuvor. Die gute Entwicklung in den Unternehmensbereichen Industrietechnik sowie Gebrauchsgüter und Gebäudetechnik konnte den Ertragsdruck in der Kraftfahrzeugtechnik nicht voll ausgleichen. Weiter im Fokus des Geschäfts: profitabel wachsen Um ein langfristig profitables Wachstum der Bosch-Gruppe zu sichern, müssen vor allem in der Kraftfahrzeugtechnik tiefgreifende Herausforderungen bewältigt werden. Dabei stehen wir vor zwei wesentlichen Strukturveränderungen: · Zum einen verschieben sich die Gewichte der Automobilindustrie noch deutlicher in Richtung Asien. Die dortigen Schwellenländer werden zu den etablierten Herstellerregionen aufschließen – auch und gerade mit 'Low Price Vehicles'. Insgesamt findet in Asien während der kommenden zehn Jahre nach unserer Einschätzung gut die Hälfte des Wachstums in der weltweiten Automobilproduktion statt. Auf Europa entfallen voraussichtlich nur 20 Prozent, auf Nord- und Südamerika 30 Prozent dieses Wachstums. Die relative Schwäche auf einigen unserer bisherigen Hauptmärkte schlug sich schon 2006 deutlich in unserem Geschäft nieder. Unsere Konsequenz ist klar: Auch wenn wir mit Innovationen nach wie vor jede Wachstumschance in den etablierten Märkten wahrnehmen, so gehen wir stärker in die neuen Wachstumsmärkte der Welt hinein. Und das geht nur mit mehr Fertigung und Entwicklung in diesen Ländern. · Zum anderen verschärft sich in allen Regionen der Konkurrenzdruck in der Automobilbranche – für die Hersteller, aber auch für die Zulieferer. Insgesamt mussten wir 2006 in der Kraftfahrzeugtechnik einen Preisdruck von mehr als drei Prozent verkraften, so viel wie nie zuvor. Das belastete zusammen mit den erhöhten Rohstoffkosten ganz entscheidend unser Ergebnis. Unsere Konsequenz ist auch hier klar: Wir müssen unsere Kostenpositionen weiter verbessern. Dafür steigern wir die Produktivität durch effizientere Prozesse nicht nur in der Fertigung, sondern über die ganze Wertschöpfungskette hinweg. Dazu führen wir derzeit zum Beispiel ganz systematisch unser Bosch Business System ein. Genauso zielstrebig balancieren wir unser Geschäft sektoral weiter aus. Im zurückliegenden Jahr sind wir auf diesem Weg wieder einen Schritt vorangekommen: So erhöhte sich der Umsatzanteil unserer Industrietechnik sowie der Gebrauchsgüter und Gebäudetechnik insgesamt auf 38 Prozent. Die Erfolgsgeschichten in diesen Unternehmensbereichen wollen wir fortschreiben: · Am hohen Wachstum bei Gebrauchsgütern und Gebäudetechnik waren 2006 alle Segmente beteiligt – die Elektrowerkzeuge ebenso wie die Hausgeräte, die Sicherheits- ebenso wie die Thermotechnik. Zwar ist uns dabei konjunktureller Rückenwind zugute gekommen. Aber wir haben auch das Dienstleistungsgeschäft ausgebaut – zum Beispiel mit unseren Service-Zentren für die Sicherheitstechnik. Und wir legen erheblich in neuen Geschäftsfeldern zu – Beispiel Solartechnik, dazu später mehr. Vor allem aber punkten wir mit Innovationen, deren Kundennutzen leicht nachvollziehbar ist. Besonders schlagkräftig in dieser Disziplin: unser Geschäftsbereich Power Tools, der mehr als 35 Prozent seines Umsatzes mit Erzeugnissen erzielt, die jünger als zwei Jahre sind. Und binnen fünf Jahren haben wir bei Elektrowerkzeugen die Zeit von der ersten Produktidee bis zum Produktionsstart auf nur noch zwölf Monate halbiert. So werden Erfolge auf hart umkämpften Märkten verteidigt. · Positiv entwickelt sich auch die Industrietechnik. Während wir das Geschäft mit der Verpackungstechnik stabilisieren konnten, profitierte Bosch Rexroth im Kerngeschäft von der guten Maschinenbaukonjunktur in aller Welt – mit einem Umsatzplus von 33 Prozent im zurückliegenden Jahr allein in China. Bosch Rexroth arbeitet in seinen Hauptgebieten derzeit an der Auslastungsgrenze. Die Kapazitäten werden deshalb weiter hochgefahren, aber nicht nur durch zusätzliche Investitionen, sondern auch durch mehr Flexibilität, um auf zyklische Schwankungen besser reagieren zu können. Eine zweite Bilanz: 1,4 Milliarden Euro für die Ökologie Über die klassischen geschäftlichen Daten hinaus können wir noch eine zweite Bilanz darstellen. Deren Zahlen belegen, wie ernst wir es schon jetzt mit unserer ökologischen Unternehmensverantwortung meinen: · 2006 haben wir unseren Forschungs- und Entwicklungsaufwand nochmals leicht gesteigert – auf 3,3 Milliarden Euro oder 7,7 Prozent vom Umsatz. Davon sind mehr als 40 Prozent oder 1,4 Milliarden Euro Erzeugnissen zugute gekommen, die Umwelt und Ressourcen schonen helfen. · Im vergangenen Jahr haben wir weltweit gut 3000 Patente angemeldet – soviel wie noch nie und 200 mehr als im Jahr zuvor. Auch davon haben rund 40 Prozent direkt auf die Umwelt- und Ressourcenschonung gezielt. Warum das so ist, zeigen schon unsere geschäftlichen Schwerpunkte. Dazu nochmals zwei Anhaltspunkte aus unserem Zahlenwerk: · Mit unseren Antriebssystemen fürs Auto, die wir im Diesel ebenso wie im Benziner auf weniger Verbrauch und Emissionen trimmen, haben wir 2006 einen Umsatz von 11,4 Milliarden Euro erzielt. Das waren 42 Prozent unseres Geschäfts in der gesamten Kraftfahrzeugtechnik. · Gleichzeitig bauen wir unser Geschäft mit Systemen zur Nutzung regenerativer Energien deutlich aus – sei es bei Bosch Rexroth oder in der Bosch Thermotechnik. 2006 belief sich der entsprechende Umsatz in der Bosch-Gruppe auf knapp 500 Millionen Euro. Spätestens 2010 soll er doppelt so hoch sein, also die Milliarden-Euro-Grenze überschreiten. Diese Zahlen veranschaulichen unseren Einsatz für den Umwelt- und Klimaschutz. Sie deuten darauf hin, dass ein Technologie-Unternehmen wie Bosch den großen Herausforderungen unserer Zeit mit Innovationen begegnet. Um es auf eine Formel zu bringen: Wir geben auf ökologische Fragen technische Antworten. Besonders früh haben wir unser Automobilgeschäft als Geschäft mit der Umwelt- und Ressourcenschonung verstanden. Dafür steht vor allem, unter dem Eindruck der ersten Ölkrise in den 70er-Jahren, unser 3S-Programm: das Fahren sicherer, sauberer und sparsamer zu machen. Auch heute ist eine Vorwärtsstrategie gefragt – Nachdruck und Tempo vor allem in unseren Entwicklungen für weniger Energieverbrauch. Schon angesichts der anderen Kohlendioxidemittenten wie zum Beispiel den privaten Haushalten wollen wir das aber nicht aufs Auto beschränken. Vielmehr können wir unmittelbar mit unserer breiten Aufstellung zeigen, dass wir schnell und wirksam auf mehr als nur einem Feld handeln können. Was tun im Fahrzeug? I. Innovationen internationalisieren Wenn wir zunächst die Automobilbranche betrachten, dann müssen wir berücksichtigen, dass diese Branche geradezu in einem Mehrkampf steckt. Denn Hersteller wie Zulieferer stehen in aller Welt nicht nur unter zunehmendem Wettbewerbs-, Kosten- und Konsolidierungsdruck. Sie müssen auch den global verschärften Anforderungen an den Straßenverkehr gerecht werden. Und dabei geht es nicht allein um weniger Verbrauch und Kohlendioxidausstoß, sondern auch um Unfallschutz und Schadstoffemissionen. In allen diesen Disziplinen wollen wir mit unserer Innovationskraft ein treibender Faktor sein. Ein Anspruch, den wir grundsätzlich auf zwei Wegen einlösen können: · einerseits durch die Internationalisierung unserer zunächst in Europa erfolgreichen Innovationen, · andererseits durch technische Weiterentwicklungen, die neue Einsparpotenziale heben – beim Benziner ebenso wie beim Diesel, mit alternativen Antrieben und weiteren Maßnahmen über den Antriebsstrang hinaus. Zunächst zur weltweiten Verbreitung unserer schon eingeführten Pionierleistungen. Dafür gibt es auch ein Beispiel aus dem Unfallschutz: unser Elektronisches Stabilitäts-Programm ESP, dessen Jahresabsatz wir allein in den USA bis 2010 voraussichtlich auf drei Millionen Stück verdreifachen werden. Zugleich steigen dort die Marktchancen für den 'Clean Diesel'. Bis Mitte 2008 werden wir mit Hilfe unseres Harnstoff-Dosiersystems Denoxtronic die sehr strenge US-Schadstoffnorm US07 Bin5 erfüllt haben. Danach sehen wir einen Schub voraus – vor allem wegen der besonderen Sparsamkeit des Selbstzünders. Der Diesel verbraucht über 30 Prozent weniger Kraftstoff als ein Benziner und emittiert rund 25 Prozent weniger Kohlendioxid als dieser. Das ließe sich auf eine Formel bringen: Mehr Diesel ist gleich weniger CO2. Gut also für den Klimaschutz, dass sein Anteil unter den amerikanischen 'Light Vehicles' bis 2015 nach unserer schon länger geltenden Einschätzung von 6 auf 15 Prozent steigen wird. Noch schneller könnte sich der 'Clean Diesel' in den asiatischen Schwellenländern durchsetzen. Getrieben wird dies durch Abgasnormen, die sich nur mit Hochdruckeinspritzung erfüllen lassen. In diesem Jahr setzen wir in Indien und China jeweils gut 100000 Common-Rail-Systeme ab. 2010 werden es in jedem dieser Länder voraussichtlich schon rund 1,3 Millionen Systeme sein. Auch wenn wir in Europa angesichts verschärfter Kohlendioxid-Grenzwerte noch einen weiter steigenden Dieselanteil unter den Neufahrzeugen erwarten, so verschiebt sich der Wachstumsschwerpunkt in die anderen Teile der Triade. Noch setzen wir erst ein Fünftel unserer Hochdruckeinspritzsysteme in Asien und Amerika ab, 2015 wird es nahezu die Hälfte sein. Dabei gilt: Wir können nicht Hightech aus Europa eins-zu-eins auf Schwellenländer übertragen – schon gar nicht auf die 'Low-Price-Vehicles', die in diesen Ländern überproportional zulegen. Und doch sollten auch diese Fahrzeuge mit sparsamer und sauberer Technik unterwegs sein. So realisieren wir für das 2000-Euro-Auto eines indischen Herstellers unter anderem die Benzineinspritzung. Das ist eine Teamleistung unserer Ingenieure aus Indien, China und Deutschland. Darin haben wir bei Bosch, wie das Leitthema 'Internationale Zusammenarbeit' in unserem Geschäftsbericht zeigt, viel Erfahrung. Was tun im Fahrzeug? II. Neue Einsparpotenziale heben Über die Internationalisierung hinaus entwickeln wir unsere Innovationen auch stetig weiter. Angesichts der unbestreitbaren Dringlichkeit des Klimaschutzes heben wir gemeinsam mit den Automobilherstellern zusätzliches Potenzial, um Kraftstoff zu sparen und damit proportional den Kohlendioxidausstoß zu senken. Dazu bringen wir unsere vielseitige Systemkompetenz ein, über alle Antriebstechniken hinweg: · Wir entwickeln das Diesel-Motormanagement weiter, was beim ohnehin schon sparsamen Selbstzünder zu einer weiteren Reduktion des Kohlendioxidausstoßes um bis zu 10 Prozent führen wird. · Wir arbeiten für den Ottomotor, auf der Basis der zweiten Generation unserer Benzindirekteinspritzung, intensiv an Downsizing-Konzepten. Das bedeutet: kleinerer Motor, weniger Zylinder, mit Turboaufladung aber gleiche Leistung. Die Kohlendioxidemissionen sinken damit gegenüber herkömmlichen Einspritzkonzepten um 15 Prozent. · Und wir kombinieren Verbrennungs- und Elektromotor zum Hybridantrieb. Gegenüber einem Ottomotor mit klassischer Saugrohreinspritzung senkt ein Benzin-Hybrid die Kohlendioxidemission um 25 Prozent – ein Vorteil, den er allerdings weniger auf langen Strecken als im Stadtverkehr ausspielen kann. Bosch hat dafür einen ersten Großauftrag erhalten. Einen Protoypen haben wir bereits für den Diesel-Hybrid entwickelt – technisch noch anspruchsvoller, aber auch sparsamer. Wie vielseitig Bosch unterwegs ist, zeigen auch unsere Komponenten für den Erdgasantrieb sowie unsere Flexfuel-Motorsteuerung, die den in Südamerika so wichtigen Ethanol-Betrieb ermöglicht. Aber auch darüber hinaus sehen und entwickeln wir eine Reihe technischer Maßnahmen für weniger Verbrauch und Kohlendioxidausstoß Â– sei es das Thermo- und Bordnetzmanagement, sei es die variable Ventilsteuerung oder auch besonders effiziente Generatoren. Alles dies bringt jeweils 2 bis 4 Prozent CO2-Reduktion. Und das Start/Stopp-System, wie wir es jetzt bei BMW in Serie bringen, ermöglicht im Stadtverkehr sogar eine Einsparung bis zu 8 Prozent. Doch lässt sich das Potenzial einzelner Maßnahmen nicht einfach addieren. Gemeinsam mit den Automobilherstellern zielen wir auf integrierte Lösungen – Technologiepakete, die auch auf die spezifische Fahrzeugklasse abgestimmt sind. Damit können wir wesentlich dazu beitragen, das anspruchsvolle Ziel für das Jahr 2012 in Angriff zu nehmen: den Kohlendioxidausstoß der europäischen Neuwagenflotte auf 130 Gramm pro Kilometer zu begrenzen. Tatsächlich erreichen lässt sich dieses Ziel aber nur, wenn alle und besonders auch die volumenstarken Modelle der Mittel- und Kompaktklasse sparsamer werden. Und was immer wir für neue Techniken in neuen Autos tun, dürfen wir den Fahrzeugbestand nicht vergessen. Dieser Bestand ist in Deutschland so alt wie noch nie: mehr als acht Jahre im Schnitt. Ersetzt man solch ein achtjähriges Fahrzeug gegen ein neues von gleicher Leistung, lässt sich der Verbrauch um 1,2 Liter, der CO2-Ausstoß um 20 Gramm pro Kilometer senken. Das spricht für eine kohlendioxid-basierte Kraftfahrzeugsteuer, die der Anschaffung energieeffizienter Autos einen Schub gibt. Solch ein politischer Rahmen könnte aber die weitere Entwicklung der Automobiltechnik nachhaltiger beeinflussen als bloße Grenzwerte. Was tun im Haus? Solar- und Geothermie ausbauen Eine große Wirkung für den Klimaschutz können wir auch in den privaten Haushalten entfalten, wie sie die Bosch-Gruppe in vielerlei Hinsicht im Fokus hat. Da sind zum Beispiel unsere Hausgeräte, für die wir als einzige Marke in allen Produktsegmenten den 'Energy Star' der amerikanischen Umweltbehörde EPA erhalten haben. Allein unsere Kältegeräte verbrauchen heute bis zu 78 Prozent weniger Strom als 1990. Nicht weniger wichtig: unsere Brennwertheizungen, die gegenüber konventionellen Anlagen 30 Prozent weniger Gas oder Öl benötigen. Wo es um Energieeffizienz und damit um den Kohlendioxidausstoß geht, soll keiner glauben, die alte Technik täte es noch. Dabei gibt es in den Häusern einen noch größeren Modernisierungsstau als bei den Autos. Mehr als die Hälfte der deutschen Heizkessel ist älter als zehn Jahre. Tauschte der Besitzer eines typischen Einfamilienhauses solch einen herkömmlichen Kessel gegen eine moderne Brennwertheizung aus, könnte er den Kohlendioxidausstoß jährlich um mehr als fünf Tonnen reduzieren. Das ist eine höhere Ersparnis, als sie mit acht Personenwagen bei einer Jahresfahrleistung von 20000 Kilometern durch die geplante Verschärfung der europäischen Emissionswerte im Jahr 2012 möglich wäre. Das lohnt sich für die Umwelt, aber auch für das Geschäft von Bosch Thermotechnik. In der Heizungsmodernisierung setzen wir über die Brennwerttechnik hinaus auf Geo- und Solarthermie. Mit den Systemen zur Nutzung regenerativer Energien wird unser Geschäftsbereich Thermotechnik in diesem Jahr einen Umsatz von 400 Millionen Euro erzielen – 100 Millionen Euro mehr als 2006. Auch darüber hinaus haben wir allen Grund zur Zuversicht: So ist in Spanien der Einbau von Solartechnik in neuen Häusern oder bei größeren Gebäudesanierungen seit einem Jahr vorgeschrieben. Bis 2015 wird mehr als ein Viertel des europäischen Thermotechnik-Marktes auf Systeme zur Nutzung regenerativer Energien entfallen. In Deutschland wird es schon 2009 die Hälfte sein. Wie aber stellen wir uns auf diesen absehbaren Boom ein? · Wir bauen unsere Fertigungskapazität für Solarkollektoren nachhaltig aus. So wird unser Kompetenzzentrum im westfälischen Wettringen erweitert. Und wir haben im portugiesischen Aveiro eine neue Fertigungslinie gestartet. In diesem Jahr werden wir 150000 Kollektoren absetzen, 2009 schon doppelt so viele. · Wir sind über unsere Akquisitionen in Schweden und USA zum Weltmarktführer für Elektrowärmepumpen aufgestiegen. Vor allem ist uns der Einstieg in den stark wachsenden amerikanischen Geothermie-Markt gelungen. Wir investieren jetzt dort in den Ausbau unserer Kapazitäten. Was sich dabei zeigt: Die Zeiten sind vorbei, da es bloß Nischenmärkte um die regenerativen Energien gab. Wo die Märkte erheblich zulegen, sind mehr Kapazitäten und vor allem internationale Vertriebswege vonnöten. Unser Geschäftsbereich Thermotechnik, ohnehin über Deutschland hinaus gut aufgestellt, kann mehr denn je seine Stärken ausspielen. Die verschiedenen Systemansätze für die Hausenergie zu beherrschen und aufeinander abzustimmen, wird zugleich anspruchsvoller – eine Ingenieursaufgabe entlang unserer Kernkompetenz 'Messen, Steuern, Regeln'. Unsere Entwicklung arbeitet denn auch an weiteren Konzepten – die Kraft-Wärme-Kopplung zum Beispiel. Unser Ziel: das energieautarke Haus. Was tun in der Energieerzeugung? In Windkraft investieren So intensiv wir die Effizienz des Energieverbrauchs forcieren, so früh sind wir in der kohlendioxidfreien Energieerzeugung dabei. Ganz wichtig dafür: unsere Tochtergesellschaft Bosch Rexroth. Ihre Technik kommt nicht nur in Fabriken zum Einsatz, sondern auch vor den Küsten Norwegens und Großbritanniens, wo erste Prototypen-Anlagen zur Nutzung der Meeresenergie entstanden sind. Noch aber steht deren Entwicklung dort, wo die Windenergie vor 20 Jahren war. Was allerdings ist inzwischen aus der Windkraft geworden? Eine Branche, die jährlich eine Nachfrage nach neuen Anlagen verzeichnet, die der Leistung von sieben Kernkraftwerken entspricht. Und dieser Wert wird sich innerhalb der nächsten zehn Jahre noch verdreifachen. Bosch Rexroth liefert die Kernstücke der Windräder: Getriebe sowie Ausrichtsysteme für die Rotorblätter. Damit steigt der Umsatz in diesem Jahr von 120 auf 160 Millionen Euro. Übers Jahr hinaus werden wir die Kapazitäten für die Getriebeherstellung erheblich ausbauen. Dafür investieren wir in den nächsten Jahren weltweit rund 300 Millionen Euro – ein klares Signal an unsere Kunden. Zugleich entwickeln wir innovative Lösungen, zum Beispiel Differentialgetriebe für die Windräder der Multimegawatt-Klasse. Je mehr die technischen Anforderungen an die Branche steigen, desto mehr setzen die Hersteller auf die Zusammenarbeit mit Spezialisten, die nicht mit ihren Wettbewerbern direkt verbunden sind. Wir sind größter unabhängiger Lieferant der Branche – ein ähnliches Plus, wie wir es auch als Zulieferer der Automobilindustrie haben. Ausblick: die Bosch-Gruppe kraftvoll weiterentwickeln Nicht nur in unserem Geschäft im Allgemeinen, sondern auch mit dem Klimaschutz im Besonderen zeigt sich der Mehrwert unserer ausbalancierten Unternehmensstruktur. Um die beiden wesentlichen Einsichten dieser Betrachtung in zwei Punkten zusammenzufassen: · Erstens sind wir regional und sektoral so breit aufgestellt, dass wir über Europa und über das Auto hinaus technische Antworten auf die Herausforderung des Klimawandels geben können. · Zweitens werden wir unser Geschäft über die bisherige Vielseitigkeit hinaus noch mehr verbreitern – auch um regenerative Energien auszuschöpfen. Wir erweitern uns aber nicht beliebig, sondern nur dorthin, wohin wir unsere Stärken mitbringen können. Genau dies ist gemeint, wenn wir von fokussierter Diversifikation sprechen. Wie Sie wissen, haben wir mit Pacifica in Australien, mit Beissbarth in Deutschland und Italien sowie mit der Florida Heat Pump Holding in den USA einige Übernahmen abgeschlossen – in der Kraftfahrzeugtechnik, auch darüber hinaus. Auf diesem Weg, die Bosch-Gruppe kraftvoll weiterzuentwickeln, werden wir fortfahren – wobei die Kernkompetenzen unsere Wegweiser sind. Für das laufende Jahr erwarten wir nur eine verhaltene Geschäftsentwicklung. Zwar ist das Umfeld auch 2007 alles in allem günstig – aber gerade in der Automobilindustrie nicht so günstig, dass es zum Beispiel die Tarifpartner in Deutschland zu einem allzu hohen Abschluss verleiten sollte. Wer glaubt, die Zeiten seien so gut, dass er auf Kosten keine Rücksicht nehmen müsse, programmiert nicht bessere, sondern schlechtere Zeiten. Im laufenden Jahr wird sich das Wachstum der Weltwirtschaft insgesamt etwas abschwächen – und zwar in allen Regionen, wobei die stärkste Dynamik nach wie vor von den asiatischen Schwellenländern ausgeht. Weiterhin stützt die Globalisierung die weltweite Investitionsneigung, und davon profitiert im weitesten Sinne gerade die deutsche Industrie. Gleichzeitig müssen wir uns allerdings auf anhaltend hohe Rohstoffpreise und vor allem auf eine weitere Euro-Aufwertung einstellen. Vor diesem Hintergrund war unser nominaler Umsatzanstieg in den ersten drei Monaten dieses Jahres insgesamt gedämpft. Neben den anhaltenden Schwächen auf den Automobilmärkten in Nordamerika und Europa sind dafür vor allem Wechselkurseffekte ausschlaggebend. Im weiteren Jahresverlauf erwarten wir jedoch ausgleichende Impulse durch eine weltweit positive Konjunkturentwicklung, die voraussichtlich auch auf die Automobilindustrie ausstrahlen wird. Positiver als bislang sehen wir nach der Mehrwertsteuererhöhung auch die Entwicklung in Deutschland, nachdem sich die jahrelang hohe Auslandsnachfrage in einem deutlich verbesserten Investitionsklima und damit auch in einem spürbaren Beschäftigungsanstieg niedergeschlagen hat. Wegen der starken Euro-Aufwertung erwarten wir 2007 für die Bosch-Gruppe dennoch ein etwas geringeres Umsatzplus als im Vorjahr. Währungsbereinigt dürfte das Wachstum voraussichtlich bei gut 5 Prozent liegen. Dabei streben wir wieder eine Umsatzrendite vor Steuern von 7 Prozent an. Unter den genannten Bedingungen vor allem in der Kraftfahrzeugtechnik muss dieses Gesamtergebnis allerdings noch hart erarbeitet werden. Zum Schluss meiner Ausführungen möchte ich einen wesentlichen Punkt hervorheben: Während wir unsere unternehmerischen Aufgaben verfolgen, ist es uns weit mehr als ein ideelles Anliegen, die Balance zwischen wirtschaftlicher, gesellschaftlicher und ökologischer Verantwortung zu wahren – jederzeit und überall, wo wir tätig sind. Das liegt unmittelbar in unserem eigenen Interesse, wie es im Interesse der gesamten Wirtschaft liegt. Denn je mehr 'Technik fürs Leben' wir entwickeln, desto größer unsere Marktchancen. Und auf Dauer kann ein Unternehmen wie Bosch nur stabil bleiben, wenn die Welt und ihr Klima nicht aus den Fugen geraten. Lebenslauf Franz Fehrenbach Mehr Informationen unter www.bosch.com Robert Bosch GmbH
Robert-Bosch-Platz 1
70839 Gerlingen-Schillerhöhe
Telefonnummer
(07 11) 8 11-0
E-Mail-Adresse
CallBosch@de.bosch.com  
 
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